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Fachinformationen zur Sozialarbeit

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2.2 Förderliche Bedingungen im Unterricht

Ausgangspunkt schulischer Förderung und Unterstützung sind die individuellen 
Ressourcen des Schülers und seines Umfelds. Wie bei allen Schülern orientiert 
sich die Förderung an ihren Stärken. Die Autismus-Spektrum-Störung macht nur 
einen   Teil   der   Persönlichkeit   aus.   Eine   Fokussierung   auf   syndromspezifische 
Defizite reduziert pädagogische Flexibilität und Freude am Unterricht. Denn wer 
sich  auf die Annahme origineller Denk- und  Verhaltensweisen mit Humor und 
Gelassenheit einlässt, wird diese möglicherweise als eine Bereicherung erleben.
Strukturierungshilfen 
Jegliche Form von Struktur bietet dem Schüler mit Autismus-Spektrum-Störung 
Sicherheit   und   einen   verlässlichen   Rahmen.   Visualisierte   Wochen-,   Tages-, 
Stundenpläne (Piktogramme an Tafel, Klettpläne, visualisierte Zeitnehmer) sind 
eine   Hilfe.   Ebenso   ist   es   hilfreich,   Arbeitsphasen   oder   Sozialformen   durch 
Piktogramme zu visualisieren. Manche Veränderung kann so leichter akzeptiert 
werden.
Klare Sprache und Anweisungen
Schüler   mit   Autismus-Spektrum-Störung   sind   häufig   auf   direkte   Ansprache 
angewiesen   -   möglichst   mit   Blickkontakt   und   Nennung   des   Vornamens.   Sie 
reagieren nicht unbedingt auf allgemeine Anweisungen wie: „Kommt jetzt bitte in 
den   Sitzkreis“.   Sie   können   mit   klaren,   deutlichen   Anweisungen   am   besten 
umgehen. Höfliche Formulierungen wie z. B.: „Würdest du bitte deine Sachen jetzt 
vom Tisch packen!“, werden häufig nicht verstanden. „Peter, pack’ dein Buch in 
deine Tasche!“, lässt hingegen keine Alternativen zu.
Sie können auch gebräuchliche Redewendungen oder Metaphern („Ein Brett vor 
dem Kopf haben“, „Jemandem nicht das Wasser reichen können“) nur verstehen, 
wenn sie ihnen erklärt worden sind. 
Da ihnen häufig das Sprachverständnis für Ironie und Sarkasmus fehlt („Du bist 
aber wieder besonders freundlich!“), müssen solche Bemerkungen vermieden oder 
erklärt werden.
Rituale
Rituale   bieten   ebenso   wie   Strukturierungshilfen   wiederkehrende   Elemente   im 
Tagesablauf, die Sicherheit bieten und Schülern mit Autismus-Spektrum-Störung 
sozusagen einen Moment des Abspannens bieten.
Beispiele können sein:
- Morgenkreis
- Stundentransparenz
- Abschlussritual
- Begrüßungsritual
- Klassenrat
Klassenregeln
Vielen Schülern mit Autismus-Spektrum-Störung erschwert eine fehlende sachliche 
und soziale Orientierungsmöglichkeit den Zugang zu Absprachen und Regeln in 
der Klasse. Einerseits brauchen sie die Regeln, die ihnen Halt und Sicherheit 
bieten, andererseits legen sie die Regeln zwanghaft aus, indem sie sich auf die 
Befolgung des Wortlautes fokussieren und nicht die Bedeutung und Funktion der 
Regel erfassen. Zudem können implizite oder paral ele Regeln kaum integriert 
werden. 
So wird die Vielschichtigkeit des Meldens im Unterricht in seiner Gesamtheit und 
Parallelität nicht verstanden:
Ein Schüler meldet sich und wird dran genommen.
Ein Schüler meldet sich nicht und wird dran genommen.
Ein Schüler meldet sich nicht und ruft rein.
Ein Schüler meldet sich und wird nicht dran genommen.
Der Lehrer spricht, ohne sich zu melden.
Die Regel heißt häufig: Wer etwas sagen will, meldet sich.
Das unangemessene Zurechtweisen von Lehrkräften und Mitschülern kann eine 
Folge dieses eingeschränkten Verständnisses sein und zu manifesten Problemen 
in der Lerngruppe führen. Aber auch wenn Regeln so klar formuliert werden, dass 
ihr Adressatenkreis deutlich wird und eine gewisse Offenheit in der Formulierung 
verbleibt, ist zu bedenken, dass der Schüler mit Autismus-Spektrum-Störung stets 
eine Unterstützung im Verständnis brauchen wird.
Visualisierung
Schüler mit Autismus-Spektrum-Störung können sich eher an visuellen Reizen als 
an akustischen orientieren. Aber auch die visuelle Wahrnehmungsverarbeitung ist 
beeinträchtigt:  Meist wird nicht das  Ganze,  sondern werden  nur  dessen Teile 
nebeneinander   wahrgenommen.   Dabei   folgt   die   Aufmerksamkeit   den   subjektiv 
empfundenen dominanten Reizen. 
Deshalb sollten wichtige Lerninhalte und Handlungsabläufe visualisiert werden, 
zunächst bildlich, später in Schriftform. Die Darstellung sollte in Form einer klaren 
und wiederkehrenden Struktur geschehen. Hilfreich sind zudem Hervorhebungen 
und Nummerierungen, um eine Wahrnehmungslenkung zu gewährleisten. Diese 
Strukturierungshilfen erfolgen vor der inhaltlichen Bearbeitung - zunächst durch die 
Lehrkraft, dann angeleitet und später selbstständig, wenn dies möglich ist.
Mündliche Mitarbeit
Mündliche   Mitarbeit   ist   ein   schwer   zu   fassendes   Konglomerat   von   sozialen, 
gruppenprozessorientierten   und   bewertungsbezogenen   Regelsystemen.   Schüler 
mit   Autismus-Spektrum-Störung   scheitern   dabei   häufig   an   diesem   Grund-
verständnis.   Aufgrund   einer   perfektionistischen   Grundhaltung   und   eines 
wortwörtlichen   Regelverständnisses   fällt   es   ihnen   beispielsweise   schwer, 
hypothetische Aussagen mitzuteilen. Dadurch kann es zu einer stark reduzierten 
Mitarbeit kommen. 
Durch individuelle Absprachen und Strukturen können Schüler ggf. so zur Mitarbeit 
motiviert werden. Besonders hier wird eine Beratung von außen empfohlen.
Schriftliche Mitarbeit
Bei   schriftlichen   Arbeiten   im   Unterricht   haben   einige   Schüler   mit   Autismus-
Spektrum-Störung   erhebliche   Schwierigkeiten.   Die   Aufträge   auf   Arbeitsblättern 
erschließen sich ihnen oft nicht oder sie empfinden diese als unübersichtlich. Einige 
wissen nicht, wo sie anfangen sollen oder haben Schwierigkeiten im Verlauf der 
schriftlichen Ausarbeitung. Häufig benötigen sie deutlich mehr Zeit oder mehr Platz 
als ihre Mitschüler.
Als förderlich erweist sich:
  • Arbeitsphasen   klar   strukturieren   (evtl.   Zeitvorgaben   für   einzelne Aufgabenteile);
  • Aufgabenstellungen   in   kleinere   Arbeitsschritte   unterteilen,   dabei   klar, 
  • einfach und prägnant formulieren; 
  • sich vergewissern, ob die Aufgabenstellung verstanden wurde;
  • Aufgabenstellungen   übersichtlich   darstellen   und   ggf.   auf   mehrere 
  • Arbeitsblätter verteilen;
  • Aufgabenstellungen visualisieren;
  • separate Räume für die Dauer der schriftlichen Ausarbeitung anbieten.
Sozialformen 
Partner- und Gruppenarbeit wird von Schülern mit Autismus-Spektrum-Störung 
eher   selten   angenommen,   weil   ihnen   die   kommunikativen   und   sozialen 
Kompetenzen sowie die Strategien zur Handlungsplanung fehlen. Um das Ziel 
eines kooperativen Lernens trotzdem aufrecht zu erhalten, benötigen die Schüler 
verständnisvolle   Arbeitspartner,   klare   Aufgabenstellungen,   handhabbare 
Strategien und Ziele. Gegebenenfalls sollte die Einzelarbeit zugelassen werden. 
Pausen
Pausenzeiten können für Schüler mit Autismus-Spektrum-Störung belastend und 
Stress auslösend sein, da sie kaum Struktur bieten und hilflos machen. Hierzu 
können   zunächst   räumliche   Alternativen   zum   Entspannen   angeboten   werden 
(Verbleib in der Klasse, Bücherei, Ruhezonen, Gruppenräume). 
Jedoch sollte versucht werden, eine teilhabende Pausengestaltung anzubahnen, 
indem zum Beispiel sinnvolle Aufgaben und Spiele angeboten werden.
Hausaufgaben
Schüler   mit   Autismus-Spektrum-Störung   zeigen   sehr   häufig   Schwierigkeiten, 
schulische Aufgaben ins häusliche Umfeld mitzunehmen. Ursächlich liegt dies zum 
einen an der Vermischung der verschiedenen Realitäten Schule - Zuhause, die die 
Schüler nicht nachvollziehen können. Zum anderen werden Eltern als nicht befugte 
Autoritäten   für   schulische   Aufgaben   wahrgenommen.   Dies   belastet   besonders 
Eltern, die aus Sorge um die schulischen Leistungen ihres Kindes ein besonderes 
Augenmerk auf häusliches Vor- und Nachbereiten legen.
Aus diesem Grund ist es erforderlich, die Notwendigkeit von Hausaufgaben im 
Rahmen der schulischen Gesamtbelastung des Schülers und seiner Familie zu 
betrachten. Folglich ist abzuwägen, ob überhaupt (und wenn, in welchem zeitlichen 
und   inhaltlichen   Umfang)   Hausaufgaben   notwendig   sind,   um   den   schulischen 
Anforderungen   gerecht   zu   werden.   Hierfür   bedarf   es   einer   guten   Absprache 
zwischen Erziehungsberechtigten und Schule. Die Hinzuziehung externer Beratung 
ist hier besonders sinnvoll.
Flexibilität
Alle Veränderungen im Schulalltag, die nicht im Wochenstundenplan vorgesehen 
sind, zum Beispiel Platzwechsel, Raumwechsel, Stundentausch und Vertretungs-
unterricht erhöhen den Stress der Schüler mit Autismus-Spektrum-Störung extrem. 
Auch   wenn   es   zunächst   nicht   sichtbar   ist,   ist   es   möglich,   dass   sich   diese 
Anspannung später entlädt. 
Abweichungen vom Plan sind als Teil des Schullebens jedoch nicht vermeidbar. 
Der Schüler ist durch rechtzeitige Information auf die jeweiligen Veränderungen 
vorzubereiten und Möglichkeiten zur Stressreduktion sind anzubieten. Bei starken 
Angstreaktionen und nicht auflösbaren Verwirrungen muss über Alternativen und 
Nichtfeilnahme ein Ausweg gefunden werden.
Außerschulische Lernorte
Das   Aufsuchen   außerschulischer   Lernorte   oder   die   Durchführung   von 
Klassenfahrten sind eine besondere Belastung für Schüler mit Autismus-Spektrum-
Störung. Insbesondere das Herausgerissensein aus vertrauter Umgebung, das 
Fehlen von Rückzugsmöglichkeiten, das fremde Essen sowie das Übernachten in 
Mehrbettzimmern usw. stellen zumeist eine Überforderung dar. Zudem können die 
unstrukturierten   Phasen   einer   Schulfahrt   die   Bewältigungsressourcen   deutlich 
überschreiten. 
Ist es das Ziel des Schülers, an der Schulfahrt teilzunehmen, muss er über die 
besonderen   Belastungen,   die   aus   dieser   Veranstaltung   für   ihn   resultieren, 
informiert   werden.   Unter   Umständen   muss   eine   vertraute   Person   als   Einzel-
begleitung unterstützen. Sind die entstehenden Belastungen für alle Beteiligten 
dennoch zu groß, sollte von einer Teilnahme abgesehen werden.
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