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Informationsveranstaltung Autsight

Johannesschule Bonn, Refuesestrasse 38, 53115 Bonn

vom 30.03.2015, Veranstalter: Leben mit Autismus e.V.

Autor: Diplom-Sozialarbeiter Frank Olsowski

Alle Vorträge werden als pdf auf der Internetseite http://www.lebenmitautismus.de veröffentlicht.

Der Vortrag "Kompetenz für Inklusion", sowie der Workshop Nr.4, "Wie kann schulische Inklusion gelingen" fiel aus, Frau Prof. Dr. Kerstin Ziemen hatte kurzfristig abgesagt.

Die Veranstaltung in den Räumlichkeiten der Johannesschule bot sich strukturiert und gut durchorganisiert an. Eine große Infothek mit allen möglichen Büchern und Werken rund um das Thema Autismus erwartete den Besucher im Eingangsfoyer. Ein versierter, junger Pianist spielte in der Aula  zur Untermalung und der Geruch dieses offenen, nett hergerichteten Raumes, in dem gut 100 Menschen Platz nahmen, erinnerte mich unwillkürlich an den typischen Holzbankgeruch von Kirchen. Die Beschallungsanlage war optimal auf  die akustische Bandbreite von Sprache ausgepegelt und gab so den Rednern eine authentische und angenehme Verstärkung.

Als Nebenangebote wurde mit Plakaten auf Ponyreiten für Kinder aufmerksam gemacht, eine Cafeteria bot an, was Cafeterias anbieten und in einem Ruheraum hatten reizüberflutete Gäste die Möglichkeit sich zurückziehen. Überall begegneten einem Servicekräfte, ausgewiesen durch ein kleines Schildchen an der Brust, die nur darauf warteten etwas gefragt zu werden.

Ich bekam Gelegenheit mit der Vorsitzenden von Leben mit Autismus e.V. Frau Braun Über Inklusion zu sprechen.

Inklusion sei dem bisherigen Integrationsparadigmas das genaue Gegenteil. Nicht mehr der Schüler sei in einer geforderten Pflicht sich in die Klasse zu integrieren, vielmehr seien die Schulen und die Lehrer in der Pflicht zur Verfügung zu stellen, was der Schüler zur Teilhabe benötige. Dies sei jedoch ein papiergeschriebenes Recht, das in der Praxis mit den Strukturen der Schulen und auch mit Widerständen von Lehrern zurecht kommen muß. Voraussichtlich werde erst ein Generationswechsel der Lehrerschaft dazu führen, dass Inklusion sich allgemein an allen Schulen durchsetzen wird.  Frau Braun spricht sich für eine Zunahme schulbegleitender Unterstützungen aus und wünscht sich von den Begleitern für Kinder mit einer Autismus-Spektrumstörung kreative Konzepte und Arbeitsansätze, die den individuellen Bedarfen der sehr unterschiedlichen Autismus-Betroffenen angepasst werden können. Sie würde sich für ihren eigenen 13jährigen autistischen Sohn tiergestütze Pädagogik, das Spiel mit einem Hund in den Pausen, sehr wünschen. Dabei sei es unerheblich, ob andere mitspielenden Kinder aus der gleichen Klasse kommen. Die Pause als erholende Spielaktivität für alle Kinder zu gestalten sei ein wichtiges Ziel des Teilhabeanspruchs und der Gleichstellung von behinderten Kindern.

Durch längere Gespräche mit diagnostizierten und nicht-diagnostizierten Autisten  und dem durchstöbern des Bücherangebotes habe ich den größten Teil des letzten Vortrags verpasst. Die anschließende Podiumsdiskussion warf einige interessante Fragen und Aspekte zum Problem des Outings vor  Familie, Verwandten, Arbeitskollegen und Nachbarn auf. Es gab einige Besucher, die den Verdacht bei sich selber hatten autistisch zu sein und dazu viele Fragen dazu stellten.

Obwohl der Vortrag, für den ich extra gekommen bin, ausgefallen ist, konnte ich doch einiges mitnehmen. So ist die Anspruchshaltung der Schule, der Begleiter möge dafür sorgen, dass das begleitende Kind sich integriert, in diplomatischer Weise umzuinterpretieren in die Frage: Was kann Schule und Begleiter anbieten und wo können sie unterstützen damit das betroffene Kind zu seinem Anspruch an Teilhabe gelangen kann.

Ebenso wichtig war für mich der Austausch mit Autisten, die mehrere Diagnosen haben, ASS und ADHS beispielsweise, oder etwa die Unmöglichkeit Menschen wiederzuerkennen außerhalb der Umgebung, in der der Betroffene normalerweise mit ihnen kommuniziert.


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