Sehnsüchte

Wo bin ich? Wer bin ich? Wo gehe ich eigentlich hin?

Wirklich viele Fragen auf einmal. Könnte ein Baum sich fragen wohin es wohl mit ihm geht? Eher nicht, ein Baum kann nicht gehen, wie sollte er auf die Idee kommen einen Weg zu gehen und irgendwo anzukommen? Es sind daher nur fragende Gedanken eines Wesens, das die Möglichkeit besitzt sich fortbewegen zu können. Und auf einmal ist es nicht mehr nur der physische Körper und sein Geist, sondern die eigene Seele, die sich ständig auf neue Ziele zubewegen muß und stets irgendwelchen Wegen folgen will. Eine verhängnivolle Verwechslung. Eine gezüchtete Verwechslung, denn nur dann kann Werbung, Weltbilder, Propaganda, Manipulation usw funktionieren, und es funktioniert wie jeder weiß, was ja auch die enormen jährlich steigenden Etats für genau diese Zwecke eindrucksvoll beweisen.

Der große Irrtum dem wir, jeder einzelne Mensch, immer wieder Gefahr laufen zu unterliegen, ist die Identifizierung der eigenen Seele mit den eigenen Gedanken.

Diese sind aber meist gar nicht eigen, sondern von äußeren Einflüssen hervorgerufen. Das soll auch so sein, damit der Mensch sich an Gegebenheiten fließend und analog anpassen kann. Gelingt das, entsteht Harmonie zwischen den Entitäten Kraft, Raum und Zeit, in der die Seele schwingen kann. Gelingt es auf längere Lebensphasen nicht, entstehen irgendwann chronische Sehnsüchte, hervorgerufen durch eine sich sehnende Seele.

Gerade im Kindesalter müssen solche disharmonischen Phasen gar nicht so lange andauern um posttraumatische Störungen hervorzurufen. Dies kann schon der Grund sein sich ein Leben lang stets zu "Zielen" hinbewegen zu wollen, ein ständiges Hinterherlaufen der einstmaligen verlorengegangenen natürlichen Harmonie, immer mit dem Gefühl verwoben, ihr näher gekommen zu sein und doch wird sie nie erreicht. Sie kann so nicht mehr erreicht werden. Manche hetzen größer, höher, weiter und sehen sich vorne, freuen sich pseudomanisch, dass die anderen weiter hinten sind - was für ein Unsinn, andere machen Notstopp, wieder andere Selbstmedikamentationen, Drogenmissbrauch, Süchte jeder Art können entstehen. Sehr viele Menschen kompensieren über viele kleine Traktierungen wie Rauchen, Arbeitswut, auch durch Dominanz und Demütigungen und vieles andere mehr. Aus diesem Blickwinkel hat derjenige, der sich nie wirklich festlegen will und der, der immer was erleben muß, oder der, der immer in Gesellschaft sein will usw nur kompensatorische Wesenszüge entwickelt, die es ihm erlauben, wieder etwas näher an seine Seele zu rücken.

Die Formel für gesundes Bewußtsein und Harmonie ist allerdings bekannt, Gedanken stoppen, Klappe halten und fasten.

Das korrelliert jedoch kaum mit den pflichtigen Rollen unseres gesellschaftlichen Erwerbslebens und den Verantwortungsanforderungen gegenüber anderen Menschen, nicht nur gegenüber den eigenen Kindern. Dies in aller Gelassenheit zu akzeptieren, glücklich darüber sein zu dürfen was anderes kompensatorisches gefunden zu haben als Heroin und all die anderen angebotenen schweren Destruktionen kann einem ein hervorragendes "standing" verleihen, in der die eigene Seele zumindest ein ruhigeres Plätzchen finden kann. Dann ist man eigentlich schon da und muß nirgends woanders noch hin. Den Körper und auch die vermeintlich eigenen Gedanken läßt man dann getrost mal hierhin mal dorthin laufen, es ist ihr Wesen sich zu bewegen. Der Weg ist ihr Ziel. Wer mehr will muß die Formel deutlicher leben.